Rauhnächte im Allgäu und Frau Holle – eine mystische Symbiose

Die Rauhnächte im Allgäu sind eine Zeit voller Mystik und Magie. Finstere Mächte, wandernde Seelen und schaurige Ereignisse bestimmen das Geschehen. Dämonen übernehmen Haus und Hof, der dünne Schleier zwischen Leben und Tod lüftet sich. Und Frau Holle ist auch dabei.
Rauhnächte sind vom 25. Dezember bis 6. Januar
Diese zwölf Tage, wenn das alte Jahr noch nicht vorbei und das neue Jahr noch nicht richtig begonnen hat, sind Tage der Besinnung, der Buße, des Feierns und des Orakelns.
Zwölf Tage, wo jeder ganze Tag für einen ganzen Monat des kommenden Jahres steht. Ob der Tag friedlich oder lustig war, ob das Wetter Kapriolen schlägt, ob genügend gutes Essen vorrätig ist, ob Freunde zu Besuch kommen … in diesen zwölf Tage schärf Deine Sinne, denn das Orakel behält recht. Jeder Tag hat besondere Fragen und vielschichtige Antworten.
… und die ThomasNacht am 21.12.
Die Thomasnacht ist die Nacht vom 21. auf den 22. Dezember. Sie ist die dunkelste und längste Nacht des Jahres. Mit ihr beginnen die heiligen Rauhnächte, so sagt man. Die Kirche hat diesen Tag dem Apostel Thomas gegeben. Im Volksmund nennt man ihn „den ungläubige Thomas“.
Alles heile machen zwei Rauhnächte
Und für alle, wo rund um Weihnachten mal wieder einiges aus der Spur lief: der 28. Dezember und der 5. Januar kann alles bereinigen! Sind diese zwei Haupt-Raunacht-Tage gut verlaufen, dann ist alles wieder heile. Praktisch.
Ab Mitte der Rauhnächte, ist das Geisterreich offen. Die Seelen der Verstorbenen wandern. Dämonen veranstalten Umzüge und wilde Treibjagden. Die Erdgeister ziehen um …
Ja, es ist was los im Alpenraum.
Frau Holle ist Perchta, die weibliche Gottheit
Die Geschichte von Frau Holle, die ihre Betten schüttelt und es schneien lässt, ist jedem Kind bekannt. Aber sie ist mehr als eine Märchenfigur.
Frau Holle ist eine Muttergöttin, die den Himmel und die Erde umspannt. Sie herrscht über die Jahreszeiten, schützt das Haus, die Menschen und die Tiere und hat heilende Kräfte. Frau Holle ist sehr weise und gütig. Je nach Region nannte man sie „Hel“, „Holla“ oder „Holda“. Sie hat zwei Gesichter: hell und dunkel, wild und sanft, Tod und Leben, Vergangenheit und Zukunft.
Im Allgäu heißt Frau Holle „Perchta“
In der ganzen Alpenregion war „Perchta“ die weibliche Gottheit. CSU hin oder her! Der Kult um Frau Percht hat sich bis heute erhalten, ebenso wie das Brauchtum der Klausen und die Tradition des Bärbeletreibens. Vor allem in den Rauhnächten denkt man gerne an sie.
Frau Perchta, die Göttin, legt großen Wert darauf, dass der Mensch sich an Regeln hält, fleißig und ordentlich ist. Wenn die Rauhnächte kommen, dann macht die Perchta ihren jährlichen Umzug. Und dann wird es wieder richtig mystisch im Allgäu …
Glaube, Aberglaube, Mystik
Für die germanischen Haudegen waren die Rauhnächte besonders heilig. Denn in dieser Zeit zieht die Perchta mit ihren wilden Gesellen ums Haus. Und wehe, jemand arbeitet schwer, wäscht seine Wäsche. Wehe es herrscht Unordnung, oder man war falsch und faul, hat gelogen und betrogen. Wehe, man ist in den Rauhnächten verreist. Wehe, wehe …
In den Rauhnächten ist der Schleier ins Totenreich sehr dünn. Frau Holle – die Göttin – ist jetzt Richterin über Gut und Böse, über Leben und Tod.
Natürlich wird das mit dem „Reisen“ heutzutage etwas lockerer gesehen. Denn wie soll man sonst zu seinen verstreuten Verwandten und Freunden kommen? Ich kann ja schlecht sagen:
„Du, Tante Gertrude, leider kann ich heuer weder deinen wunderbar trockenen Stollen genießen, noch Deinen umwerfend langweiligen Geschichten lauschen, weil die Frau Perchta …!“
Nein, das geht natürlich nicht.
Niemals in den Rauhnächten Wäsche waschen
Aber das mit der Wäsche waschen und aufhängen ist wirklich zu beachten! Denn mit dem Waschwasser wird ein Leben aus deinem Haus gespült und die Dämonen klauen die Wäsche von der Leine und nähen damit ein Leichentuch …
Ein Leintuch wird in der Rauhnacht gestohlen. / Zeichnung / Foto: unbekannt
Weiterführende Informationen
Die Rauhnächte haben ihren Ursprung im Mondjahr, das 354 Tage zählt und somit kürzer ist als das Sonnenjahr. Als die Menschen sich nach dem Sonnenjahr richteten, blieben elf Tage und zwölf Nächte übrig – die Rauhnächte, wie wir sie heute kennen.
Früher nannte man sie „Rauchnächte“, denn man räucherte mit Kräutern, um böse Mächte zu vertreiben und gute zu begrüßen.
Frisch von Frau Holle der aktuelle Schneebericht für das Allgäu. Gilt auch außerhalb der Rauhnächte!
https://www.allgaeu.de/draussen/schneebericht
Dieser Text wurde unabhängig recherchiert.
Es bestand kein Auftrag. Es wurde nichts bezahlt.
Eventuell sind Affiliate-Links im Text enthalten.
Der gesamte Beitrag ist Eigentum des Autors!

Als Online-Handwerkerin mit viel Begeisterung für Mensch, Technik & die Region rückt sie Geschichten ins richtige Licht. So werden Texte und Inhalte im Internet gefunden.
Trackbacks/Pingbacks