Storytelling aus dem Allgäu

Foodsharing im Allgäu: Lebensmittel retten, Bauch und Herzen wärmen

von | Engagement

Guten Lebensmitteln eine zweite Chance zu geben, bevor sie im Abfall vernichtet werden. In Isny im Allgäu gibt es eine Regionalgruppe von „foodsharing“. Hier wird Gutes gerettet und verteilt. Es ist eine Bewegung, die uns alle einlädt, mehr Bewusstsein FÜR die Wertigkeit von Lebensmittel zu entwickeln. „Genuss mit Wonne, statt für die Tonne.“

Foodsharing: Gegen Lebensmittelverschwendung

In Isny hat sich eine Gruppe zusammengefunden, die Lebensmittel nicht nur vor der traurigen Reise in die Tonne rettet, sondern auch dafür sorgt, dass wir alle etwas schlauer mit dem umgehen, was bereits produziert ist und eigentlich auf unseren Tellern landen sollte.

Seit 2022 gibt es die Foodsharing-Bezirksgruppe in Isny. Dabei sind derzeit ungefähr 50 Foodsaver am Start, auf ihrer Mission für essenswerte Lebensmittel. Aufgebaut haben die Anti-Verschwendungs-Crew Marko Kapf, Maxi Busch und Mareike Traub. Ihr Engagement zeigt, dass wenn wir alle an einem Strang ziehen, die Welt nicht nur leckerer, sondern auch ein wenig besser wird. Denn Foodsharing ist ressourcenschonend, nachhaltig, sozial und wertvoll.

Und wie läuft das jetzt mit den Lebensmitteln?

Ganz unspektakulär, aber effektiv. Die mitmachenden Unternehmen sind Kooperationspartner von Foodsharing. Ein kurzer Anruf, eine E-Mail. Bei den meisten Betrieben werden die überschüssigen und ungewollten Lebensmittel regelmäßig abgeholt. Abgeholt wird immer alles und im Anschluss daran auch gleich verteilt. Dabei geht’s nicht darum, wer’s am nötigsten hat, sondern einfach darum, Essen vor der Verschwendung zu bewahren.

Da geht mehr, als man denkt

Seit dem Kickoff hat die Foodsharing-Gruppe in Isny jede Woche um die 200 kg Essen vor dem Exitus gerettet. Dank der Zusammenarbeit mit circa 15 lokalen Lebensmittelläden, landen Gemüse, Früchte, Milchprodukte, Brot und auch Konserviertes, das nicht mehr verkäuflich ist – zum Beispiel, wegen Wochenende und MHD – aber noch top in Schuss ist, bei Leuten, die’s zu schätzen wissen.

Maximilian Jork, Chef der Früchte Jork GmbH, bringt es auf den Punkt:

Foodsharing Kooperationspartner: Früchte Jork GmbH„Als Lebensmittelgroßhändler liegt uns der verantwortungsbewusste und nachhaltige Umgang mit Lebensmitteln sehr am Herzen. In unserem Arbeitsalltag sind wir mit hohen qualitativen Ansprüchen bezüglich unserer Produkte konfrontiert. Aus diesem Grund sind wir oftmals gezwungen, bestimmte Ware auszusortieren.

Da diese Produkte keinesfalls schlecht sind, freuen wir uns umso mehr, dass wir mit diesen Lebensmitteln Aktionen wie Foodsharing oder die Tafel regelmäßig unterstützen dürfen.“

Maximilian Jork, Geschäftsführer Früchte Jork GmbH

Foodsaving in Isny

8 kg Obst und Gemüse: Unsere erste Foodsaving Aktion. / Foto: J. Löschberger

Rohkostsalat aus geretteten Lebensmittel - Foodsharing
Foodsharing: Chicorée mit Feta aus geretteten Lebensmitteln

Erst gerettet, dann zubereitet: Frischer Rohkostsalat und überbackener Chicoree mit Feta. / Foto: J. Löschberger

 

Foodsharing: Eine deutschlandweite Bewegung

Foodsharing ist weit mehr als eine lokale Initiative. Seit seiner Gründung im Jahr 2012 hat sich Foodsharing zu einer deutschlandweiten Bewegung mit über 100.000 registrierten Nutzern und mehr als 30.000 Freiwilligen entwickelt, die regelmäßig Lebensmittel von über 4.000 Betrieben retten​​​​. Diese Zahlen verdeutlichen das massive Potenzial, das in der Gemeinschaft liegt, wenn es darum geht, Lebensmittelverschwendung zu bekämpfen und gleichzeitig soziale Gerechtigkeit zu fördern.

Die Herausforderung „Lebensmittelrettung“ in Zahlen

  • In Deutschland landen jährlich circa 11 Millionen Tonnen Lebensmittel im Müll
  • Etwa 59%, stammt aus privaten Haushalten 
  • Jede Person wirft durchschnittlich rund 78 Kilogramm Lebensmittel pro Jahr weg

Diese Zahlen sind nicht nur schockierend, sondern rufen nach einem dringenden Handlungsbedarf.

Lebensmittelverschwendung - Mehr Bewusstsein schaffen.

Bewusster Umgang mit Nahrungsmittel will gelernt sein. / Bildquelle: Canva

„Tafeln first“ beim Foodsharing

Pessimismus ist keine Option

Das Motto „Tafeln first“ zeigt, dass bei Foodsharing erst mal die gedacht wird, die’s wirklich brauchen. Bevor also die geretteten Lebensmittel ihren Weg zu allen anderen finden, wird abgecheckt, ob die Tafel alles mitnehmen kann, was sie braucht.

Bringt denn das alles was? „Pessimismus ist keine Option“, sagen die Macherinnen & Macher von Foodsharing Isny.

Das Bewusstsein für die Wichtigkeit von Lebensmittelrettung bei Bevölkerung, Firmen und sogar in der Bürokratie zu wecken, kann manchmal zäh sein. Doch Veränderung passiert. Vielleicht nicht über Nacht, aber sie kommt – mit jedem Allgäuer Unternehmen, das sich entscheidet, mitzumachen, und Jedem, der bewusster einkaufen geht, ein bisschen mehr.

Foodsharing ist sozial und nachhaltig

Warum wegwerfen, wenn es doch noch gut ist. / Bildquelle: Canva

FairTeiler Schrank: Kühler Retter für Lebensmittel

In Isny steht Kühles an. Ein FairTeiler Schrank mit Kühlfunktion soll aufgestellt werden. Momentan hängt er noch in den Seilen der Bürokratie. Aber er wird es schaffen. Und dann wird kaltgestellt. Nämlich Lebensmittel, die Frische brauchen und hier ein kühles Happy End finden.

Der Fairteiler Schrank ist so was wie die offene Bar bei der Party – jeder ist willkommen, jeder kann was mitbringen oder mitnehmen.

Jedes Stück Käse, das hier landet, ist ein „Ätsch“ in Richtung Lebensmittelverschwendung. Der Schrank ist quasi der Robin Hood der Essensrettung – nimmt den Supermärkten, was sie nicht mehr brauchen, und gibt es denen, die’s essen wollen. Unabhängig von Stand und Einkommen.

Foodsharing Isny – kühler Kopf, warmes Herz und immer ein offenes Türchen.

Das große Ding bei Foodsharing

Es geht darum, einen kleinen (oder großen) Schubs in Richtung eines schlaueren Umgangs mit Lebensmitteln zu geben – und zwar bei allen: den Machern, den Verkäufern und uns, den Essern.

Stell dir vor, jeder schätzt Brot, Karotten und Co. so richtig wert. Was passiert? Es wird nur das produziert, gehandelt und in den Einkaufswagen gelegt, was wirklich gebraucht wird. Zack, Lebensmittel gerettet, Umwelt geschont, CO2 eingespart – und ganz nebenbei sorgt das Ganze auch noch für fairere Preise auf dem Lebensmittelmarkt. Klingt nach einem Plan, oder?

Mitmachen bei Foodsharing

Werde ein Foodsaver

Das klingt interessant? Du willst mitmischen? Hier kommt der Deal: Schnapp Dir das Online-Quiz. Das ist wie der Türsteher im Club der Foodsaver – zeigt, ob Du bereit bist mitzumachen, um Lebensmittel zu retten.

Zeit, die Ärmel hochzukrempeln

Foodsharing in Isny und überall in Deutschland ist wie ein großes, helles Spotlight auf das, was geht, wenn wir alle an einem Strang ziehen. Das heißt, mal schön aus der eigenen Routine zu hüpfen.

Startschuss? Dein Einkaufswagen. Bewusst shoppen, clever essen. Und falls doch mal was übrig bleibt – ab damit in den Fairteiler-Schrank. Da findet’s seinen Weg zu jemandem, der’s wirklich braucht.

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