Haus räuchern: Das Ritual der ritzentiefen Reinigung & Energetisierung

Das traditionelle „Haus räuchern“ im Allgäu ist eine tief verwurzelte Zeremonie, die weit über den Okkultismus hinausgeht. Es ist eine Praxis, die seit Generationen die Kraft des Rauches zur Reinigung nutzt. Während der Rauhnächte, wenn sich der Schleier zum Totenreich wieder verdichtet, beginnen die Allgäuer mit dem Ritual, um das neue Jahr mit positiver Energie zu begrüßen. Das Haus von schlechten Gerüchen befreit und Platz für Neues geschaffen. Dieses Ritual, das von unseren Großmüttern überliefert wurde, soll Gesundheit, Widerstandskraft und positive Energie bringen.
Haus räuchern ist ein sehr altes Ritual
Das „Haus räuchern“ oder „mit Rauch reinigen“ gibt es seit Tausenden von Jahren und in fast allen Kulturen, rund um den Erdball. Die tibetischen Räucherstäbchen zur Meditation, die Mayas mit ihren Räucher-Ritualen, die arabischen Könige mit ihrem Weihrauch und eben auch jede Allgäuer Oma:
Rauch im Haus hilft viel. D´r Mief g´hört raus aus d´r Hütte.
Und wer die g´standen alten Frauen vom Land kennt, weiß, dass diese nun wirklich nicht in himmlischen Sphären wandeln, sondern sehr bodenständig zur Tat schreiten.
Traditionelles Räuchern im Allgäu
In der wilden Zeit der Rauhnächte kam die Oma – gerne hemdsärmelig und in Küchenschürze – mit Ihrem „Haus räuchern“ bei den Kindern ganz groß raus. Nach der Zeit von „feiern & ruhen“, packte die alte Dame der Tatendrang.
Das Jahr muss positiv starten ….
Und weil Weihrauch, Myrrhe und andere exotischen Harze und Pflanzen mit den hl. drei Königen zwar ins Morgenland, aber nicht ins Allgäu kamen, wurden getrocknete heimische Wundermaterialien aus Garten und Wald verkokelt. Auch der geweihte Kräuterboschen von Mariä Himmelfahrt findet jetzt seine Verwendung. Heimatliche Aromatherapie …
Der Rauch zieht in jede Ritze und vertreibt schlechte Gerüche. So entsteht Raum für Frischen und Neues …
Jedes Jahr, wenn der Schleier zum Totenreich langsam wieder dichter wird …, wenn wir uns für das neue Jahr Frieden, Fröhlichkeit, Gesundheit, Toleranz, Resilienz, Ehrlichkeit, Harmonie und positive Energie wünschen …. , ja dann geht es los mit dem Ritual.
Heimisches Räuchergut: Fichten- Und Tannennadeln, Harz, Salbei, .Lavendel .. / Foto: U. Heerdegen
Wie geht „Haus räuchern“ genau?
Erster Schritt: Die Reinigung
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- Öffne ein oder zwei Fenster pro Stockwerk ganz leicht. Alle anderen halte verschlossen.
- Schalte ALLE Elektrogeräte aus. Auch das Stand-by bei Fernseher und Kaffeemaschine.
- Lege glühende Kohle oder Holzkohle in die Schale und verteile die Kräuter und Harze darauf.
- Und nun – nicht lachen, es gehört zum Ritual – bitte die guten Geister, Engel, Vorfahren oder Sonstige darum, das Haus zu reinigen.
- Beginne von der Haustüre aus gegen den Uhrzeigersinn jedes Zimmer abzulaufen. Wedle dabei den Rauch zu dem offenen Fenster hin.
- Wenn DU alle Räume durchgegangen bist, dann schließe die Fenster.
Die Reinigung ist beendet.
Zweiter Schritt: Die energetische Aufladung
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- Denke ganz fest an positive Eigenschaften, die Du gerne in Deinen Räumen haben möchtest (Mut, Friede, Fröhlichkeit, Energie, Tatendrang, Freundschaft, Liebe …)
- Und jetzt geh mit Deinem Räuchergut nochmals jeden Raum durch – diesmal im Uhrzeigersinn.
- Wedle dabei den Rauch zur Raummitte.
- Danke den guten Geistern, Engeln, Vorfahren oder sonstigem für die Mithilfe danken.
Das Räucher Ritual kann man immer wieder und mit verschiedenen Düften durchführen / Bildquelle: Canva
Warum räuchern wir?
- aus Tradition und Glauben an die positive Wirkung
- weil es gut riecht
- für eine feinstoffliche Reinigung, Licht und positive Energie
- weil es gute Laune und Spaß macht
- weil wir uns so herrlich erdverbunden dabei vorkommen
Das Räuchergut
Getrocknete heimische Kräuter & Harze zur Reinigung
Geräuchert werden vor allem Sonnenpflanzen! Alles, was im Licht wächst, denn jetzt in der dunklen Jahreszeit, soll das Räuchern Helligkeit und Energie bringen. Keine Wurzeln!
- Gartensalbei (Reinigung & Gesundheit)
- Engelswurz (Mut, Zuversicht, Stärke …)
- Johanniskraut (Ausgeglichenheit, Ruhe, Stärke)
- Wachholder (Lebensfreude, Dynamic, Kraft)
- Holderblüten und Holderbeeren (Frische, Reinheit, Klarheit)
- Rosmarin (Ausgeglichenheit, Kraft)
- Orangenschalen (Frische, Reinheit, …)
- Fichten- oder Kiefernharz (Ruhe, Zufriedenheit)
- Königskerze (Streitschlichter)
Zubehör zum Haus räuchern
- feuerfeste Schale mit Sand oder kleinen Kieseln gefüllt
- glühende Holzkohle oder Räucher Kohle
- heimisches Räuchergut
- etwas Zeit & Ruhe
Der Rauch dringt in alle Ritzen und verschluckt Gerüche / Bildquelle: Canva
Was kann man beim „Haus räuchern“ falsch machen?
Eigentlich nichts. Vorsichtig ausgedrückt: Der Wille zählt, und Übung macht den Meister, der selten vom Himmel fällt. Also ran an den Räuchertopf, und Vorsicht mit dem Finger verbrennen.
Und die Oma?
Ja, bei mir war es nicht die Oma die eifrig ihr geheimnisvolles Ritual des „Haus reinigens“ im Ort vollzog. Geld gabs dafür nicht, wohl eher ’nen Kaffee und Schmalzgebackenes.
Quintessenz:
Räuchern ist world wide en vogue,
und mit Freundinnen macht´s doppelt Spaß.
Weiterführende Informationen
Info-Box:
Das „Haus Räuchern“ hat eine wachsende Fangemeinde. Zahlreiche Bücher zum Räuchern sind auf dem Markt.
Ich hab das Räuchern von meiner Oma gelernt und mag klare Erklärungen, ohne zu sehr ins Mystische abzurutschen. Das Buch „Rituelle Hausreinigung“ von Christine Fuchs und Sam Hess kann ich deshalb wirklich empfehlen.

Als Online-Handwerkerin mit viel Begeisterung für Mensch, Technik & die Region rückt sie Geschichten ins richtige Licht. So werden Texte und Inhalte im Internet gefunden.

Der Buch Tipp ist sehr zu empfehlen, super sachen. Mein liebes Allgäu 🙂
Was ein räucher vergüngen