Der Alatsee im Ostallgäu: blutend, mystisch & rätselhaft

Das Allgäu ist bekannt für seine Mystik, seine Sagen und rätselhaften Geschichten. Liegt es daran, dass diese herbe Region so lange, so abgeschieden war? Vielleicht! So zum Beispiel am Alatsee, dem „blutenden See“ bei Füssen. Ein Nazischatz, der Schlüsselmönch von Faulenbach und eine tief blaugrüne Wasserfarbe, die manchmal purpurrot wird. Der rätselhafte See bietet alles und ist dabei so idyllisch.
Nachtrag der Redaktion, Frühling 2024:
Der Alatsee wurde von den Behörden wieder freigegeben. Die Krebspest ist überstanden.
Nachtrag der Redaktion, Herbst 2023:
Krebspest am Alatsee
Am Alatsee bei Füssen ist die Krebspest ausgebrochen. Dies wurde durch eine DNA-Untersuchung bestätigt. Die Krebspest ist eine hochansteckende Krankheit für Flusskrebse, die durch eingeschleppte Arten wie den Signalkrebs übertragen wird.
- Die Behörde hat ein Verbot für Freizeitaktivitäten am Alatsee und den umliegenden Gewässern ausgesprochen, um eine weitere Verbreitung der Krankheit zu verhindern. Hunde und Sportgeräte können die Erreger in andere Gewässer tragen.
- Die Krebspest bedroht den Edelkrebs, die größte europäische Flusskrebsart, die vom Aussterben bedroht ist. Der Klimawandel begünstigt die Ausbreitung der Signalkrebse, die höhere Temperaturen vertragen als der Edelkrebs.
Neben dem Alatsee wurden auch an anderen Bächen im Westallgäu tote Krebse gefunden, deren Ursache bisher nicht geklärt ist.
Der Alatsee ist weltweit einzigartig
Sechs Kilometer westlich von Füssen und nur 80m von der östereischischen Grenze entfernt liegt idyllisch der „blutende See“.
Der 32m tiefe See ist in den oberen 15 Metern nährstoffreich mit einer üppigen Flora und Fauna besiedelt. In einer Tiefe von 15 – 18m befindet sich eine purpurfarbene Schwefelbakterien-Schicht. Woher der – für die Bakterien lebenswichtige Schwefelwasserstoff – kommt, kann nicht geklärt werden. Die Theorie, daß dieser aus den Gipsschichten des umliegenden Gesteins austritt, wurde von Geologen verworfen.
Tatsache ist jedoch, daß unterhalb dieser Schicht so gut wie kein Sauerstoff mehr im Wasser gebunden wird. Und im Winter begibt sich die, eh schon sehr geringe, Wasserzirkulation in den Winterschlaf. Am Alatsee liegt das alte Tiefenwasser seit Jahrtausenden am Grund.
In dieser Ausprägung findet sich weltweit kein vergleichbarer See. „The world´s best…“ wie der Allgäuer sagen würde, wenn denn viele Touristen an den See kämen.
Warum heißt der Alatsee „der blutende See“?
Mir zeigt sich der See unglaublich Grün-Türkis. Fast schon kitschig diese Intensität der Farben. Bei bestimmten Wetterbedingungen, lösen sich die purpurfarbenden Schwefelbakterien und schwimmen auf. Rot-Rosarote Flecken im grünen Teich. Der See blutet! Auch tritt um die „blutende Zeit“ immer wieder ein großes Fischsterben auf.
Auch in Bad Faulenbach, die kleine Ortschaft unterhalb des Alatsees, merkt man diebesonderheit des Sees. Wabert doch immer ein ganz leichter Schwefelgeruch durchs Dorf. Der dort liegende Gipsbruchweiher war 2020 mal wieder komplett purpurrot. Die Erklärung? Schwefelbakterien, viel Licht und wenig Sauerstoff im Wasser.
Mystischer Alatsee
Unheimliches aus vergangenen Tagen
Inwieweit sich die ganzen Fabelwesen am Alatsee auf die Füße getreten haben oder immer noch treten, ist nicht bekannt, aber es gibt schon ne Menge Spuk dort oben …
- die Weiße Frau am Alatsee,
- der Salobergeist,
- Zwerge, die Ramsch in Gold verwandeln,
- die drei habgierigen Schwestern
- Fabelwesen und grausige Kreaturen, die Wanderer in den See locken,
- …
Verständlich, daß unsere Altvorderen um diesen See ängstliche Geschichten erzählt haben. Verselbstständigt über die Jahrhunderte wurden daraus Mythen und Legenden. Wie die vom hießigen Schlüsselmönch: Frau in Holzkiste im See versenkt, sie nen Fluch ausgesprochen und so geistert der Mönch immer noch rund um den Alatsee und sucht Erlösung. …
Idylle pur, und so geheimnisvoll. / Bildquelle: MGZN Allg, Foto: U. Heerdegen
Rot und grün. Der Alatsee oder „blutender See im Ostallgäu. / Bildquelle: MGZN Allg, Foto: U. Heerdegen
Militärisches Sperrgebiet & technisches Versuchslabor
Im dritten Reich wurde am Alatsee ein Versuchslabor für Hitlers Geheimwaffen aufgebaut. Luftwaffentechniker testeten mit Modellen die Focke-Wulf Ta 154 unter Wasser. Der Ober-Physiker W. von Braun hat einige Zeit im Hotel Alatsee gewohnt, und die Versuchsreihe betreut. Das Gebiet um den „blutenden See“ wurde weiträumig für die Zivilbevölkerung gesperrt. (Ich denke mal, die hatten auch mit anderen Problemen zu kämpfen.)
Von Braun stellte sich am Ende des Krieges in Reutte / Tirol den Amerikanern. Überreste dieser Versuche wurden von den Amerikanern – die den Alatsee weiterhin zum militärischen Sperrgebiet erklärt haben – gefunden. Das sind die Tatsachen.
Der Goldschatz der Nazis im Alatsee
Aber: Einheimische berichten über nächtliche Militäraktionen gegen Ende des Krieges. Schwer beladene Lkws fuhren zum See, und kamen leer zurück. Schätze sollen versenkt oder vergraben worden sein. Vielleicht der Goldschatz der Deutschen Reichsbank, der zuvor auf Schloss Neuschwanstein zwischengelagert war? Liegt er noch verborgen im See? Oder haben die Amerikaner heimlich, und so …?
Die Schatzsucher vom Alatsee …
… wurden ausgebremst. Im See herrscht absolutes Tauchverbot! Dies hat wahrscheinlich mit Biologie zu tun. In diesem idyllischen Tümpel passierten ungewöhnlich viele Tauchunfälle. Unter der Schwefelschicht ist absolute Dunkelheit. Das verwirrt.
Und auf der schönen Wiese am westlichen Ufer herrscht ganzjährig „Betreten verboten“. Das ist sehr seltsam. Der Schatzsucher-Tourismus wird behindert. Warum? Vielleicht möchte der Freistaat Bayern den Schatz selber finden? Oder die CSU? Oder die Einheimischen wollen ihre Ruhe? Oder ist der Schatz in Wirklichkeit die wertvolle Natur? Oder wollte man mit der Schatzgeschichte touristisch aus dem Schatten der Oberbayern treten?
Aber das sind nur meine Spekulationen …
Was verbirgt sich am Grund des Alatsees? / Bildquelle: MGZN, Foto: U. Heerdegen
Der Krimi vom Alatsee
Kluftinger ermittelt
Sagenumwoben der Ort. Da ist es kein Wunder, dass hier Morde passieren. Dass auch unser Kult-Kommisar Kluftinger hier in einen mystischen Rausch verfällt. Im „Seegrund“, dem dritten Kluftinger-Fall, geht’s um Schatzsuche, die Vorkommnisse im dritten Reich und ein schwerwiegendes Vermächtnis.
Seegrund: Kluftingers dritter Fall. Der Tote am Ufer liegt in einer roten Lache, es ist kein Blut, sondern Schlabber aus dem See ….
Wandern am Alatsee
Rund um den Alatsee wandert es sich schön und leicht. Ist nicht weit, der Weg rundherum. Viele Wanderwege Richtung Füssen, nach Bad Faulenbach durch das Tal der Sinne, entlang des Weißensees, zur Burgruine Falkenstein oder zur Salober Alm bieten für jede Kondition das Passende. Schön auch der kurze Weg den Hügel hinauf auf die österreichische Seite ….
Apfelstrudel am Alatsee …
… weil jede Wanderung eine Einkehr verlangt
200 m hinter dem Parkplatz am Alatsee versteckt sich das traditionelle Restaurant & Hotel Alatsee. 2011 frisch und dezent renoviert, bietet das Restaurant eine ganz ordentliche Küche. Und passend zur Jahreszeit backen die guten Küchengeister – garantiert hausgemacht – einen Apfelstrudel.
Jetzt ist es so, dass Apfelstrudel für mich eine ganz sensible Süßspeise ist. Ich hab noch den Ideal-Apfelstrudel-Geschmack meiner Kindheit in Erinnerung, und bisher konnte noch nie ein Apfelstrudel damit konkurrieren. Und eigentlich hab ich die Hoffnung auch schon aufgegeben, jemals wieder so einen fantastischen Strudel zu essen …
Aber – ich glaube es kaum – der Apfelstrudel am Alatsee, im gleichnamigen Hotel ist ein Gedicht! Und serviert wird er nicht klotzig mit Vanilleeis, oder schnöde mit Sahne, sondern mit dezenter Vanille-Soße …. Mmmmhhh, sowas von traditionell und gut …. Da könnt ich mich reinsetzen, oder zumindest die Soße bis zum letzten Tropfen schlürfen …
(Herbst 2023)
Irgendwie wirkt die Gaststätte aus der Zeit gefallen / Bildquelle: MGZN, Foto: U.Heerdegen
Apfelstrudel mit Vanillesoße, zum Niederknien. / Bildquelle: MGZN, Foto: U.Heerdegen
Quintessenz:
Die Farben des Alatsees sind der eigentliche Schatz,
die Natur und die fassbare Mystik am See begeistern,
und der Apfelstrudel setzt die Krone auf.
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