Storytelling für das Allgäu

„Geschichten wie ein Kurzurlaub im Allgäu!“ – das kann ich nach dem Lesen des Buches „Neuanfang am Paradies“ von Susanne Bahro nur bestätigen. Susanne versteht es meisterlich, die Schönheit des Allgäus einzufangen, ohne dabei kitschig zu wirken. Noch mehr überzeugt hat mich jedoch die spannende Erzählweise dieser romantischen Geschichte. Ich geb es zu, das hat mich sehr überrascht und deshalb möchte ich Dir Susanne N. Bahro – die Autorin aus Oberstaufen – vorstellen.

Interview mit Susanne N. Bahro

Ulli vom Magazin Allgäu: Liebe Susanne, schön daß Du Dich für dieses Interview bereit erklärt hast. Als Bloggerin habe ich eine natürliche Hochachtung für jede Person, die eine längere Geschichte spannend und unterhaltsam erzählen kann. Du gehörst mit Deinen Romanen definitiv dazu. Wie kamst Du zum Schreiben? Was war Deine erste Idee für ein Buch?

Susanne Bahro: Als ich meine erste Geschichte schrieb, war ich in der ersten Klasse und kannte noch nicht mal alle Buchstaben. In meiner Jugend verfasste ich Gedichte, später Kurzgeschichten. Das erste Buch entstand vor etwa fünfzehn Jahren, ein Liebesroman, der bis heute unveröffentlicht ist, weil ich so ziemlich alles falsch gemacht habe.

Ulli vom Magazin Allgäu: Wie lange dauerte es von der Idee bis Du Dein erstes gedrucktes Buch in Händen gehalten hast?

Susanne Bahro: Die ersten drei Bände der Reihe habe ich in acht Monaten verfasst und dann alle auf einmal in Druck gegeben.

Die Liebe zum Allgäu

Ulli vom Magazin Allgäu: In Deinen Büchern kann man Deine Liebe zum Allgäu regelrecht herauslesen. Bist Du eine echte Allgäuerin und kannst Du noch Dialekt sprechen?

Susanne Bahro: Ja, ich bin im Allgäu geboren und aufgewachsen und habe eine sehr enge Bindung zu dieser Region. Und natürlich spreche ich mit Einheimischen auch Dialekt.

Ulli vom Magazin Allgäu: Ich frag Dich jetzt nicht nach Deinem Lieblingsplatz, wo Du Ruhe findest, denn ich will ja nicht kontraproduktiv sein ;-). Aber vielleicht verrätst Du uns, wo Dir die Ideen zu neuen Geschichten einfallen?

Susanne Bahro: Lieblingsplätze habe ich so einige. Aufmerksame Leser können den einen oder anderen in meinen Büchern entdecken. Ideen für neue Geschichten kommen mir laufend, da gibt es keinen bestimmten Ort. Die gedankliche Ausarbeitung zu einem spannenden Plot mache ich aber am liebsten auf langen Spaziergängen im Wald.

Ulli vom Magazin Allgäu:: Arbeitest Du gerade an einem neuen Allgäubuch, oder einer Geschichte, die den Protagonisten ins Allgäu führt?

Susanne Bahro: Zurzeit arbeite ich an einem Fachbuch, parallel entsteht Band 5, in dem eine schwangere Studentin ins Allgäu reist, um ihren Vater zu suchen, den sie nie kennengelernt hat…

Ulli vom Magazin Allgäu: Du hast Deine Buchreihe „Allgäu Romantik“ in „Mountview Romance“ umbenannt. In Zeiten, wo sich die (Leser)Welt nach Heimat, überschaubare Weite und verständlichen Lösungen sehnt, ist dieser globale Titel ein mutiger Schritt, oder?

Susanne Bahro: Das Allgäu ist ein Verkaufsargument für den, der`s kennt. Alle anderen schreckt es eher ab. Deshalb haben die eBooks ein neues Branding bekommen. Die Taschenbücher laufen aber nach wie vor als Regionalausgabe unter dem Titel „Allgäu Romantik“ weiter. Als mutig empfinde ich diesen Schritt nicht. Für mich als Selfpublisherin sind solche Experimente mit geringem Risiko behaftet, da ich die Veränderung ja jederzeit wieder rückgängig machen kann.

Von Allgäu-Krimis und dem Schreiben allgemein

Ulli vom Magazin Allgäu: Du bist ja auch in der Marketingbranche zuhause. In Deinem Blog allgäuromantik.wordpress.org schreibst Du, daß Du dich selber ungern vermarktest, trotzdem oder gerade deshalb bist Du auch Deine eigene Verlegerin. Stichwort: Vermarktung. Warum hast Du Dich dafür entschieden?

Susanne Bahro: Anfangs kam es mir gar nicht in den Sinn, nach einem Verlag zu suchen, weil mir die Produktionszyklen dort viel zu lang sind und die Vermarktung in den meisten Fällen sowieso am Autor hängen bleibt, also konnte ich es ebenso gut auch gleich selbst machen. Aus Zeitgründen würde ich für die Zukunft die Zusammenarbeit mit einem Verlag aber nicht mehr ausschließen.

Ulli vom Magazin Allgäu: Im Allgäu ermitteln Kluftinger & Co, regionale Krimis sind „in“. Du schreibst spannende Liebesgeschichten mit hohem Erzähltempo, was ist eigentlich der Unterschied beim Verfassen und Schreiben? Und läuft beides unter dem Begriff „Trivialliteratur“?

Susanne Bahro: Da ich noch keinen Krimi geschrieben habe, ist das schwer zu beantworten. Die Vorgehensweise ist aber sicher sehr ähnlich. Beim Krimi läuft alles auf die Aufklärung hinaus, bei der Romanze auf das Happy End. Hier wie dort muss Druck auf die Protagonisten aufgebaut und deren Handeln nachvollziehbar dargestellt werden. Unerwartete Wendungen erzeugen Spannung und halten die Leser bei der Stange. Trivialromane gibt es in fast jeder Gattung, sie zeichnen sich durch eine geringe Komplexität, leichte Lesbarkeit und ein hohes Erzähltempo aus.

Ulli vom Magazin Allgäu: Hast Du auch mal über „krimischreiben“ nachgedacht oder bewegt sich jeder Autor automatisch nur in „seinem“ bevorzugten Genre?

Susanne Bahro: Es existiert bereits ein Plot zu einem Thriller, den ich eines Tages vielleicht schreiben werde, aber einen klassischen Krimi wird es von mir wohl nicht geben. Wenn ich schreibe, tauche ich tief in die Charaktere und Beweggründe meiner Figuren ein und ich möchte mich einfach nicht monatelang gedanklich mit Mord und Todschlag beschäftigen müssen.

Ulli vom Magazin Allgäu:: Kann man „Schreiben“ lernen?

Susanne Bahro: Wer Talent hat, kann Schreiben lernen. Wer keines hat, sollte lieber malen oder musizieren. Zwar kann jeder lernen, seine Texte zu verbessern, aber zum Bücherschreiben reicht das in der Regel nicht.

Einer der Lieblingsplätze, der auch in Band 2 vorkommt. / Foto by Michael Weinmann

Über eine Stiftung und die besten Kässpatzen

Ulli vom Magazin Allgäu: Du bist Geschäftsführerin einer Stiftung, die sich um die Förderung von Kindern kümmert. Magst Du kurz erzählen, was das Ziel Eurer Stiftung ist?

Susanne Bahro: Die Waisenhaustiftung Siloah finanziert deutschlandweit Projekte, die Kindern, Jugendlichen und Familien in Bedarfslagen zugutekommen. Wir tragen u.a. dazu bei, dass Schulverweigerer doch noch einen Abschluss schaffen, Familien in Problemlagen mit professioneller Sozialberatung geholfen wird oder Kinder aus wirtschaftlich schwachen Verhältnissen die Chance bekommen, ein Musikinstrument zu erlernen.

Ulli vom Magazin Allgäu: Bei Kässpatzen – dem Nationalgericht der Allgäuer – gehen die Meinungen zur Zubereitung ganz weit auseinander. Fast jede Familie hat so ihre eigene Vorstellung, wie echte Allgäuer Kässpatzen zu sein haben … Wie magst Du sie am liebsten?

Susanne Bahro: Natürlich so, wie meine Mama sie macht! Nicht zu fettig, nicht zu viel Käse und in der richtigen Mischung, Zwiebel nicht zu dunkel und leicht kross. Vor allem aber müssen die Spatzen gehobelt sein und nicht vom Brett geschabt.

Ulli vom Magazin Allgäu: Herzlichen Dank Susanne, daß Du Dir die Zeit für meine vielen Fragen genommen hast. Und ich freu mich schon Dein nächstes Buch.

Quintessenz

Das Besondere des Allgäus, seine Landschaft, seine Menschen, die Lebensart …
Susanne Bahro versteht es dies alles in Worte zu fassen.

Meiner Meinung nach ein „Must Read“ für jeden Allgäu Fan.
– kurzweilig, stimmig und mit ganz viel Lokalkolorit –

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