Storytelling aus dem Allgäu

Moore & Moorschutz im Allgäu: Zwischen Tradition und Transformation

von | Zukunft

Intakte Moore kühlen das Klima. Und das gigantisch. Laut Mooratlas 2023 speichern Feuchtgebiete auf nur 3 % der weltweiten Fläche doppelt so viel Kohlendioxid und giftige Gase, als alle Wälder zusammen. Faszinierend. Sind doch 30 % der Erde mit Wald bedeckt. Moore filtern Wasser und helfen bei Dürreperioden und Überschwemmungen. Moore sind beeindruckende Ökosysteme, die auf der ganzen Welt vorkommen. Sie sind ruhige Klimaaktivisten, die unsere Unterstützung benötigen. Und JA, das Allgäu ist Moorlandschaft. Der Moor-Hotspot 5 der biologischen Vielfalt liegt im Westallgäu!

Das Allgäu – Eine Moorlandschaft im Wandel

Ein Blick auf die Landkarte des Allgäus verrät viel über seine Geschichte – Ortsnamen mit -ried, -moos oder -moor zeugen von der einstigen Moorlandschaft. Das Allgäu war moorig.

Vom geheimnisvollen Hochmoor, das nur vom Regen gespeist wird, bis zum artenreichen Niedermoor – die Moore im Allgäu waren so vielfältig wie die Natur selbst. Nur noch wenige sind intakt und in größerem Umfang erhalten geblieben.

Die Moore: Ausgetrocknete Lebensadern

Stadtplaner und Landwirte sahen in den Mooren eher eine Herausforderung als einen Schatz und legten sie – wo es ging – trocken. Diese Praxis hinterließ tiefe Narben im empfindlichen Ökosystem.

Trockenlegung für Landwirtschaft und der Torfabbau ließen viele Moore austrocknen. Deutschlandweit sind 90 % der Feuchtgebiete verschwunden. Für das Allgäu gibt es keine genauen Zahlen. Das Ausmaß des Schwunds wird sich aber auch in dieser Größenordnung bewegen.

Trockene Flächen lassen sich wirtschaftlich halt intensiv nutzen. Acker, Viehweide, Siedlungsbau …. Gegenüber der Natur waren wir in der Vergangenheit sehr unsensibel. Dazu war Torf früher als Heizmittel begehrt und ist leider im Gartenbau immer noch weit verbreitet. Keine Geranien, Stiefmütterchen und Rosen ohne Torf, scheint das Motto zu sein. Dabei blühen Gärten mit Kompost und Humus genauso schön.

Hotspot 5 der Biologischen Vielfalt 

Moore im Oberschwäbischen Hügelland und der Adelegg

Naturvielfalt Westallgäu: Moorschutz tut Not

Unter den 30 besonders schützenswerten Hotspots der biologischen Vielfalt Deutschlands liegt der Hotspot 5 im malerischen West- und württembergischen Allgäu. Auf fast 800 km² formen hier Wälder, Moore, versumpfte Gebiete, Grünland, Gewässer und die Adelegg ein Mikrokosmos der Biodiversität. Eine ökologische Perle.

Grauspecht, Moorfrosch, der fleischfressende Sonnentau – das Moor ist voller schützenswertem Leben. Ein Rückzugsort für stark gefährdete Arten. Das Moor ist CO₂-Speicher, Hochwasserschutz, Grundwasserfilter.

Das Bewusstsein der Bevölkerung für Moorschutz steigt,

sagt Heike Helfenstein von Naturvielfalt Westallgäu. Das Projekt Naturvielfalt Westallgäu setzt sich mit Herz und Verstand für den Schutz dieser moorigen Schätze im Hotspot 5 ein.

Durch Projekte zur Wiedervernässung und Bildungsarbeit schlägt die Initiative eine Brücke zwischen Mensch, Natur und Politik. Alle können gewinnen, wenn denn alle wollen würden. Denn eine Transformation zu nassen Moorlandschaften ist möglich.

Der Kampf gegen Klimakiller: Wiedervernässung der Moore

Das Austrocknen der Moore wandelt diese von Kohlenstoffspeichern in Kohlenstoffquellen um. Das einst im Torf sicher verwahrte CO₂ wird in der Atmosphäre freigesetzt.

Trockengelegte Moore werden klimaschädlich,

erklärt uns Heike. Laut Umweltbundesamt stoßen sie jährlich 53 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalente aus. Das macht über sieben Prozent unserer nationalen Treibhausgasemissionen aus. Das sind beachtliche Zahlen. Auf vielen Flächen wäre Renaturierung ein Gewinn für die Natur und uns Menschen darin. Denn die Nutzung von Mooren ist aufwendig, oft wenig ertragreich – und in jedem Fall schlecht fürs Klima.

Besonders schützenswert, der Moor Hotspot Nr. 5

Der besonders schützenswerte Hotspot 5 – von der Adelegg bis fast an Bodensee. /
Bildquelle: Naturvielfalt Westallgäu

Sonnentau

Der Sonnentau ernährt sich von Insekten wie Mücken und Kleinstlebewesen.
Bildquelle: Naturvielfalt Westallgäu, Foto: Siegfried Kehl

Pflanzenvielfalt im Moor
Blaubeeren aus dem Moor
Nass im Bodenmöser Moor

Impressionen aus dem Bodenmöser Moor bei Isny. | Bildquellen: MGZN, Fotos: U. Heerdegen

Moorerlebnisse: Lernen, Staunen, Schützen

Mit Moor-Experten unterwegs

Das Moor steckt voller Geheimnisse. Wer könnte diese besser lüften, als die Naturlotsen der Initiative Naturvielfalt Westallgäu? Bereit für ein mooriges Abenteuer? Schnapp dir deine Wanderstiefel und erlebe eine Exkursionen, bei denen du das Moor mit all seinen Facetten erleben kannst.

Wer sich für die schillernde Welt der Flora und Fauna begeistert, sich in den geologischen Tiefen verlieren oder mehr über Moor- und Hochwasserschutz wissen möchte – für jede Neugier gibt’s den passenden Naturlotsen.

Und wer dann, begleitet von einem Kenner der Moore, den Sonnenaufgang erlebt und die Stille der Natur in sich aufsaugt, derjenige versteht, was Heike Helfenstein meint, wenn sie sagt:

„In diesen Momenten ist das Moor nicht nur ein Ort, es ist ein Erlebnis!“

Auf Entdeckungstour – Naturlehrpfade und Wanderrouten in Allgäuer Moor.

Wie im Hotspot 5 lädt das Allgäu ein, seine Moore nicht nur zu schützen, sondern auch zu erleben. Auf Naturlehrpfaden und Wanderrouten können Besucher in die geheimnisvolle Welt der Moore eintauchen und ihre stille Schönheit entdecken. So zum Beispiel auch im Wurzacher Ried.

Pfad durch das Moor

Trockenen Fußes durch das Moor … / Foto: U. Heerdegen

Moos und Moor

Ein typisches Allgäuer Moos. / Foto: U. Heerdegen

Moorschutz: Zusammenspiel aus Verständnis & Handeln

Das Projekt Naturvielfalt Westallgäu lebt Gemeinschaftsgeist und verfolgt ein großes Ziel: den Schutz und die Aufwertung unserer Moore. Hier spricht man nicht nur, hier handelt man auch. Ein konstruktiver Austausch zwischen Naturschützern, Landwirten, Politikern und jedem, der das Allgäu liebt, bildet das Fundament für den Erhalt dieser kostbaren Biotope.

Aufklärung, Erleben & Aktion: Die Säulen des Moorschutzes

Wissen teilen, Verständnis wecken – das steht ganz oben auf der Agenda von Naturvielfalt Westallgäu. Denn je mehr Menschen die Bedeutung der Moore begreifen, desto stärker wird der Schutz dieser Lebensräume.

Doch das Projekt geht noch weiter: In Zusammenarbeit mit dem NABU Baden-Württemberg möchte das Team trockengelegte Moorflächen aufkaufen, um sie wieder zu vernässen. Oft ist es ein Puzzle, das geduldig zusammengefügt werden muss, manchmal mit sehr vielen Grundstückseigentümern. Doch die Mühe lohnt sich, wenn sich schließlich wieder ein zusammenhängendes, lebendiges Moor vor unseren Augen erstreckt.

Übrigens: Das größte zusammenhängende Moor im Allgäu ist das Naturschutzgebiet Bodenmöser bei Isny. Gefolgt vom Taufach-Fetzach-Moos bei Beuren, mit gleich zwei Urseen.

Unsere Moore: Grüne Verantwortung für die Zukunft

Die Allgäuer Moore, diese feuchten Juwele unserer Heimat, sind weit mehr als nur Landschaft. Sie sind ein Vermächtnis, das es zu schützen und zu ehren gilt. Naturvielfalt Westallgäu weist den Weg, zeigt, wie durch Wiedervernässung und behutsame Renaturierung die heimische Flora und Fauna bewahrt, ein entscheidender Beitrag zum Schutz unseres Klimas geleistet und sanfter Erlebnisraum für die Menschen geschaffen wird.

Ein Projekt, das Hoffnung macht und beweist: Jeder von uns kann Teil dieser Zukunft sein.

Moorlotsen vom Naturvielfalt Westallgäu

Das vierköpfige Projektteam von Naturvielfalt Westallgäu / Bildquelle: Anja Ostermann

Moorlandschaft Allgäu

Natürlicher CO² Speicher – schöner geht Naturschutz nicht. / Bildquelle: Naturvielfalt Westallgäu

Fünf Tipps, was wir für Moorschutz tun können

1. Keinen Torf kaufen

Verwende für das Gärtnern torffreie Erde und Kompost. Torf wird aus Mooren gewonnen! Durch den Verzicht auf Torfprodukte verringert sich die Nachfrage nach Torfabbau.

2. Lokale Moorschutzprojekte unterstützen

Engagement bei lokalen Gruppen und Organisationen, die sich für den Schutz und die Wiederherstellung von Moorlandschaften einsetzen. Dies kann durch Freiwilligenarbeit, Spenden oder die Teilnahme an lokalen Veranstaltungen und Bildungsprogrammen geschehen.

3. Bildung und Aufklärung

Wer mehr weiß, kann besser handeln. Teile das Wissen über die Biodiversität und die Klimaregulierung von Moorlandschaften mit Freunden und Familie, um das Bewusstsein für die Wichtigkeit des Schutzes dieser Gebiete zu schärfen.

4. Für politische Änderungen eintreten

Unterstütze Initiativen, die darauf abzielen, Moorlandschaften zu schützen und wiederherzustellen. Das kann das Schreiben an lokale Vertreter, das Unterzeichnen von Petitionen oder die Teilnahme an Kampagnen beinhalten.

5. Verantwortungsvoll unterwegs sein

Auf markierten Wegen bleiben, um die Tierwelt nicht zu stören und die Vegetation nicht zu beschädigen. Müll wird wieder mitgenommen. Aber das ist für intelligente Menschen eh selbstverständlich.

Weiterführende Informationen

Webseite:
Naturvielfalt Westallgäu
Miteinander für Moore & mehr

Hier findest Du auch die Termine für Führungen ins Westallgäu, Moorwanderungen und
Veranstaltungen rund um den Moorschutz.

Instagram:
naturvielfalt_westallgaeu

Zum Mooratlas 2023
der Heinrich Böll-Stiftung

„Moore retten“ / NABU Stiftung

Das Team von Naturvielfalt Westallgäu

Dr. Siegfried Kehl – Maßnahmen
Telefon: 0157.73614228
E-Mail: Siegfried.Kehl@NABU-BW.de

Wibke Wilmanns – Umweltbildung
Telefon: 0157.50176030
E-Mail: Wibke.Wilmanns@NABU-BW.de

Jan Bolender – Projektleitung
Telefon: 0157.58507858
E-Mail: Jan.Bolender@NABU-BW.de

Heike Helfenstein – Kommunikation
Telefon: 0159.06178429
E-Mail: Heike.Helfenstein@NABU-BW.de

Danke an Heike Helfenstein für das sympathische Interview.

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