Brot-Brennerei: Altes Brot wird zu Alkohol. Eine clevere Idee vom Bodensee

FRIEDRICHSHAFEN: Brot zu Alkohol – klingt verrückt? Die Bäckerei Weber verwandelt alte Backwaren in hochwertigen Bioalkohol. Gemeinsam mit der Universität Hohenheim, dem Technologiezentrum Bremerhaven und Brennereianlagen Müller wurde erst Grundlagenforschung betrieben, dann experimentiert und letztendlich Alkohol erzeugt. Die erste Brot-Brennerei weltweit ist am Bodensee in Betrieb gegangen. Die Backstube Weber zeigt, wie ökonomische Kreislaufwirtschaft funktionieren kann.
In der Bäckerei stehen und sich wieder nicht entscheiden können, weil die Auswahl so lecker groß ist: Vollkornbrot, Laugenbrezel oder doch die Plunderteilchen? Während du die Entscheidungstrilogie deines Lebens durchläufst, fragt sich der Bäcker hinter der Theke, was mit den Backwaren passiert, die er am Abend nicht verkauft. Wegwerfen? Verschenken?
Der Bäckermeister wird zum Brennmeister.
Die Chefin wird Edelbrandsomeliere.
Altes Brot wird zu Hochprozentigem.
Brot zu Alkohol – wie geht das?
Das Zauberwort heißt „Bioethanol“. Der Prozess beginnt ganz ähnlich wie bei der Herstellung von Alkohol aus Getreide. Alte Brot, Brötchen, Pizzaschnitten und sogar Sahnetorten werden zunächst gesammelt und zerkleinert. Im Maischverfahren wird die Stärke im Brot aufgespalten und in Zucker umgewandelt. Ein kleines bisschen Hefe dazu, und schon bald fängt es an zu blubbern. Die Magie der Gärung beginnt. Am Ende dieses Prozesses steht ein Rohalkohol.
In der Brot-Brennerei trifft Nachhaltigkeit auf Innovation
Warum ist das so genial? In Deutschland werden jährlich etwa 600.000 Tonnen Brot entsorgt. Es ist eine gigantische Menge, die nicht nur wertvolle Ressourcen verschwendet und viel kostet, sondern auch zur Umweltbelastung beiträgt. Durch die Verwandlung von Brot in Alkohol wird dieses Problem nachhaltig angegangen. Der Rohalkohol, der aus dem Brot gewonnen wird, kann vielseitig verwendet werden, zum Beispiel als Biosprit (E10-Kraftstoff) oder in der chemischen Industrie.
Deutschland importiert Ethanol meist aus Pakistan und Südamerika! Hier ist ein riesiges wirtschaftliches Potenzial für heimische Produktion.
Über Grenzen hinaus denken
Die Vision der Bäckerei „Webers Backstube“ und der Universität Hohenheim geht noch weiter:
Wir möchten ein robustes System entwickeln, das Bäckereien in ganz Deutschland nutzen können. Eine Brot-Brennerei für jeden Bäcker.
So könnten bald viele Handwerksbetriebe ihre alten Backwaren in wertvollen Alkohol umwandeln und somit einen geschlossenen Kreislauf schaffen, in dem nichts mehr verschwendet wird.
„Das Fantastische an diesem Prozess ist, dass sich Brennerei und Bäckerei gegenseitig bereichern,“
sagt Hannes Weber. Jeden Tag fallen in Bäckereien seiner Größe zwischen 100 bis 200 kg Brot und Backwaren an, die nicht mehr verkauft werden können. Diese Retouren werden nun komplett zu Bioethanol gebrannt.
Bäckermeister Weber hat die Idee zwar nicht erfunden, aber als Erster in die Praxis umgesetzt und schafft damit für seinen Betrieb eine nachhaltige Kreislaufwirtschaft, die sich rechnet.
Die Brot-Brennerei – eine runde Sache
Das Konzept ist ebenso einfach, wie genial. So bitter es klingt, aber der Brenn-Stoff ist das Brot, das wir Konsumenten nicht mehr wollen. Ein Abfallprodukt, das bisher teuer entsorgt werden musste. Der entstandene Alkohol ist heiß begehrt in der Industrie. Die beim Destillationsprozess entstehende Abwärme wird nicht verschwendet, sondern zur Energieversorgung der Anlage selbst genutzt.
„Altes Brot zu Alkohol“ ist für mittelgroße Bäckereien nicht ganz ein Perpetuum Mobile, aber nah dran. Eine große Chance für Bäckereien und Konditoreien. Lang lebe das Handwerk und die Brot-Brennerei.
Darfs auch ein edler Brot-Brand sein?
Noch lukrativer könnte das Geschäft für Bäcker werden, wenn sie den Alkohol nicht nur an die Industrie verkaufen, sondern selbst veredeln. Ein feiner Brotschnaps, der direkt in der Bäckerei verkauft wird, könnte der neue Renner im Regal werden. Hochwertige Spirituosen bieten immer noch eine spannende Einkommensquelle.
Geduld bei alkoholischen Brot-Produkten
In der neu entwickelten Brennerei von Webers Backstube entstehen neben industriellem Bioalkohol wahre Meisterwerke.
Besonders stolz sind die Macher auf ihr Brotdestillat: ein edles Tröpfchen, das aus sorgfältig ausgewählten Brotsorten gewonnen und ganze 5 Jahre im Eichenfass gelagert wird. Es entwickelt sich hoffentlich ein wahres Geschmackserlebnis für Kenner und Genießer.
Und das Highlight für Whisky-Liebhaber: Ein hochwertiger Whisky, entwickelt mit der internationalen Whisky-Expertin Julia Nourney, der die Bodenseeregion auf die internationale Bühne bringt – Schottland, zieh dich warm an!
Aber das ist noch nicht alles. Aus der Schlempe, der Flüssigkeit, die nach der Destillation übrig bleibt, entsteht ein eiweißhaltiges Nahrungsmittel. Hier sind die Kühe der Region die zukünftigen Abnehmer. Mit ihnen wird der Kreislauf geschlossen, denn die Butter kommt wieder aufs Brot.
Glänzende Bioökonomie: Die Pilotanlage der Brot-Brennerei in Friedrichshafen | Bildquelle: Müller Brennereianlagen
Meinung der Redaktion:
Es geht nichts über Erfindungsreichtum
Chapeau Brot-Brennerei!
Diese Idee der Kreislaufwirtschaft ist nicht nur innovativ, sondern auch ein Statement für Nachhaltigkeit und Kreativität. Wir berichten voller Begeisterung über diese innovative Lösung für Bäckerbetriebe und drücken die Daumen, dass aus dieser Idee etwas richtig Großes wird!
Wir bleiben an dieser Geschichte dran und werden dann hoffentlich zur ersten Verkostung in die Brot-Brennerei eingeladen. Auf die Zukunft!
Gut zu wissen: Die Tafel darf trotz der Brennerei weiterhin ihren Anteil Brot abholen. Die Grundsatzidee des Foodsharings wird erfüllt, da das Wegwerfen von Lebensmitteln reduziert wird. Und Birnenbrot? Würde viel Energie geben, aber es landet selten im Bottich, da es haltbar ist und vorher aufgefuttert wird!
Weiterführende Informationen
Bäckerei Weber, Friedrichshafen
Forschungs- und Lehrbrennerei, Hohenheim

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