Storytelling aus dem Allgäu

Der perfekte Schnee im Allgäu: Ein Wintermärchen aus Kristallen und Pulver

von | Wissen

Manchmal ist er eine Wucht, oft einfach eine Pracht: der perfekte Schnee. Im Allgäu gibt es „echte Schneelöcher“ und Orte, an denen es besonders zauberhaft schneit. Eine Spurensuche nach der perfekten Flocke …

Lautlos verändert er das Allgäu – häufig über Nacht. Er zaubert einen glitzernden, weichen Teppich über alles, was vorher eisig oder schmuddelig war. Schnee ist Wasser in seiner schönsten Form. Aber wie kommt es eigentlich zu diesen filigranen Flocken, die mal hart sind und mal knuffig? Wann schneit es überhaupt? Wann ist der Schnee perfekt für den Menschen? Und wie hat die Allgäuer Natur ihn eigentlich am liebsten?

Das Geheimnis perfekter Schneeflocken …

Die Geschichte des Schnees führt uns erst einmal nach China: Im 2. Jahrhundert vor Christus entdeckten Asiaten die gleichmäßige Struktur der Schneekristalle. Das zarte Gebilde mit den sechs Armen und den zahllosen Verästelungen und Spitzen hat es den Menschen bis heute angetan:

Es lässt „uns staunen, dass die Natur in der Lage ist, solche Formen zu erschaffen“,

heißt es in dem Buch „Schnee“ des Schweizer Instituts für Schnee und Lawinenforschung in Davos. Es ist die Mischung aus Unregelmäßigkeiten und Symmetrie, die fasziniert.

Der perfekte Schnee: Vom Himmel ins Allgäu

Simple Frage, komplexe Antwort:

Warum schneit es eigentlich?

Ganz einfach, weil es staubt. Bei zwölf Grad Minus in den Wolken treffen Tröpfchen auf winzige Partikel – das Wasser friert einfach daran fest.

Achtung Physik ohne Frau Holle: Dabei lassen die Wassermoleküle nur Winkel von 60 oder 120 Grad zu – so wachsen je nach Temperatur und Luftfeuchtigkeit schöne Sterne (Dendriten) aber auch Nadeln, Säulen und Plättchen. Je mehr Wasser gefriert und an den Kristallen klebt, umso schwerer wird das Gebilde und beginnt irgendwann in Richtung Erde – zum Beispiel Richtung Allgäu – zu segeln.

Schnee bremst den Ton

Viele Menschen wissen schon bevor sie morgens aus dem Fenster schauen, dass die Hügel unter einer weißen Decke liegen. Weil es dumpf klingt. Irgendwie leiser. Friedlicher. Dabei gilt: je größer der Flocken, desto dumpfer der Ton.

Wandelbares Schneekristall

Herrscht hohe Thermik, bewegen sich die Kristalle mehrfach auf und ab. Durch die Temperaturunterschiede werden sie teilweise aufgeschmolzen und kristallisieren sich neu, verkleben manchmal zu kleinen harten, zu großen knuffigen oder zu riesigen Gebilden.

Die größte je gesehene Schneeflocke soll laut Guinnessbuch der Rekorde einen Durchmesser von 38 Zentimetern gehabt haben. Ein Foto gibt es davon aber nicht.

Reichlich Bilder sind dagegen von ganz gleichmäßigen Kristallen zu finden. Dabei sind die schiefen und krumm gewachsenen eigentlich viel häufiger. „Die schönen Schneekristalle werden nur viel öfter fotografiert und abgebildet“, heißt es in der Fachliteratur.

Schneekristalle für den perfekten Schnee

Zauberhafte Formation der Eiskristalle / Bildquelle: Canva

Allgäuer Winterparadies

So weit, so hübsch: Das tückische am Schnee sind die drei Aggregatzustände, die sich munter mischen:

  • fest (Kristalle),
  • flüssig (Wasser) und
  • gasförmig (Wasserdampf)

Alle treiben durcheinander. Dann wird der Schnee für Wintersportler und Bergliebhaber unberechenbar.

Zwischen Pistenfreude und Lawinen

Alte Regel unter Tourengehern und Skifahrer:
Am sichersten ist eine sehr kompakte Altschneedecke und 15 bis 20 Zentimeter Pulverschnee.

Es muss nur regelmäßig schneien, wenig winden und nachts ordentlich durchfrieren. An solchen Tagen steht in den Lawinenberichten in den Allgäuer Alpen „Gefahrenstufe 1“. Perfekter Schnee für Ski-Vergnügen!

Powder Alarm im Allgäu

Der perfekte Powder-Day? Ganz einfach: Neuschnee auf der Altschneedecke bei richtig tiefen Temperaturen. Ungeübtere bleiben aber auch an solchen Tagen lieber auf den präparierten Piste der Allgäuer Skigebiete.

Die perfekte Schnee-Mischung: Wenn es nachts, nachdem die Pistenraupen gefahren sind, noch einmal schneit. Dann entsteht das perfekteste, was es für den alpinen Schneesport gibt: Pulverschnee auf einer gleichmäßigen Altschneedecke. Ohne Bollen, Rillen, Buckel.

Ein Hochgenuss für Wintersportler

Egal ob Neuschnee oder nicht: Wichtig ist, dass die Pisten über Nacht acht Stunden Zeit haben zum „Sintern“. So heißt der Vorgang bei dem die Pistenbullys zerquetschte Kristalle in gewünschter Form zusammenfrieren. Für harte, glatte und griffige Pisten.

Bei feuchtem Schnee ist alles anders. Während Skifahrer über Buckel und Krater schimpfen, freuen sich Kinder auf den Wiesen und in den Gärten über die pappige Variante. Mit mehr Wasser halten Iglus genau wie Schneebälle besser zusammen und der Schneemann steht stabil. Das ist vor allem in milden Wintern der Fall. Oder im Frühling.

Perfekter Schnee: der Firn

Wenn sich für Skifahrer eine zweite, spektakuläre Schneesituation auftut werden die Tage schon länger. Firn kommt!

Die Zutaten: klare Nächte mit trockener, kalter Luft. Sie friert den angetauten Schnee noch einmal durch. Kommt die Sonne raus, weichen drei bis vier Zentimeter der Schneedecke auf.

Dann macht es „tschlp“, wenn der Ski den oberen Schnee weg schabt. Ein Hochgenuss für jeden Wintersportler.

Perfekter Schnee fürs Tourengehen

Perfekte Schneebedingungen für Touren im Gebirge / Foto: Canva

Perfekter Schnee für alpines Skifahren im Allgäu

Schöner geht es nicht. Sowas von schee, der Schnee. / Foto: Canva

Das Allgäu und eine Vielzahl Schnee

Je nach Alter, Feuchtigkeit und Zustand unterscheiden die Experten mindestens 30 verschiedene Schnee-Arten. Manche davon gehen an steilen Hängen als Lawinen ab. Das ist nicht nur gefährlich und schlecht. Was viele nicht wissen:

„Murmeltiere zum Beispiel nutzen Lawinenschneisen als Korridore für ihre Verbreitung“,

weiß Henning Werth aus Sonthofen, der sich mit der Tier- und Pflanzenwelt in der Alpenbergwelt bestens auskennt.

Für den Natur- und Gletscherfreund ist klar:

Schnee für Flora und Fauna ist perfekt, wenn er weiterhin dahin fällt, wo er schon seit Jahrtausenden auf die Erde trifft.

So wäre auch das Vergnügen der Kolkraben garantiert. „Diese Vögel drehen sich manchmal im Schnee auf den Rücken. Das hat keinen Nutzen – sie spielen. Jedenfalls scheint es uns so, als ob ihnen das einfach gefällt.“

Auch die Kitze von Gämsen legen ein ulkiges Verhalten an den Tag, wenn sie im Frühling Altschneereste entdecken: Sie rutschen und schlittern auf den Feldern hinunter. Und wer dieses amüsante Spektakel schon einmal beobachten durfte, der weiß genau:

Schnee macht glücklich. Perfekter Schnee überglücklich.

Solange man ihn nicht täglich auf die Seite schaufeln muss.

Weiterführende Informationen

Zum aktuellen Schneebericht im Allgäu. Vielleicht ist morgen der perfekte Schnee am Berg.

PS: Schneeschuh wandern, Langlauf und Skijöring sind nicht ganz so sehr vom perfekten Schnee abhängig. Wer jedoch schon mal bei Bruchharsch-Schnee mit den Schneeschuhen unterwegs war weiß: Powderalarm-Tage machen mehr Spaß!

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