Der alte Bahnhof Martinszell ist Begegnungsstätte für ein ganzes Dorf: Volldampf voraus!

Ein verlassener Bahnhof erwacht zu neuem Leben, beflügelt von der Energie und dem Ideenreichtum seiner Dorfbewohner. Die Interessensgemeinschaft Oberdorf-Martinszell (kurz IG-OMa) zeigt, wie aus dem stillgelegten alten Bahnhof Martinszell ein pulsierendes Zentrum für Jung und Alt entsteht. Dies ist eine außergewöhnliche Geschichte, die zeigt, wie mit Leidenschaft, Begeisterung und Engagement das scheinbar Unmögliche möglich wird. Ein belebter und beliebter Begegnungsort für das Dorf und Besucher.
Bahnhof Martinszell: Eine unglaubliche Weichenstellung
Von der Idee zum Ortsmittelpunkt
Es war einmal ein alter Bahnhof, der mehr war als nur heruntergekommen. Er war eine Leinwand für Träume. Einige Oberdorfer sahen darin nicht einfach nur ein gammeliges Haus; sie sahen einen Treffpunkt, ein Kulturzentrum, einen Ort des Austauschs und der Begegnung. Mit Schaufeln, Pinseln und einer gehörigen Portion Mut verwandelten sie diesen Traum in Realität. Heute strömt das Leben durch und rund um den alten Bahnhof Martinszell: ein Café, ein Backhaus, eine Kneipe, der Wochenmarkt und viele Veranstaltungen.
Engagement für mehr dörfliches Leben
Die IG-OMa nimmt Fahrt auf
Die IG-OMa, kurz für Interessensgemeinschaft Oberdorf-Martinszell e. V., setzt sich mit Herz und Seele für die Entwicklung des dörflichen Lebens ein. In einem Allgäuer Dorf, wo traditionell das Gemeinschaftsleben neben der Kirche blüht, standen die Oberdorfer vor einer Herausforderung: Es gab noch nie eine eigene Kirche! Ein zentraler Treffpunkt fehlte, und mit der drohenden Schließung des einzigen Tante-Emma-Ladens wurde klar, dass dringend gehandelt werden musste.
Eingebettet zwischen Kempten und Immenstadt, griffen fünfzehn Visionäre, Verbesserer und engagierte Bürger die Chance beim Schopf, den alten Bahnhof in den neuen sozialen Mittelpunkt des Ortes zu verwandeln. Ihre Vision: ein lebendiges Begegnungszentrum, das nicht nur Raum für Einkäufe, sondern auch für zwischenmenschlichen Austausch bietet. Im März 2014 ins Leben gerufen und bereits im Mai mit vereinten Kräften renoviert, zählt die IG-OMa heute über 200 engagierte Mitglieder.
Die Weichen am Bahnhof sind neu gestellt, es wurde viele Stunden geschrubbt, geschraubt und gewerkelt. Das Ergebnis:
Ein lebendiger Treffpunkt, eine gemütliche Bahnhofs-Kneipe, viele Ideen zum Fahrplan, neue Freundschaften und übergreifende Begeisterung für das Projekt von Oberdorfern für Oberdorfer.
In der alten Wartehalle sitzt es sich sehr gemütlich / Bildquelle: MGZN Allgäu
Der neue Fahrplan im Bahnhof Martinszell / Oberdorf
Sonntags im IG-OMa Express: Kaffee, Kuchen, Klatsch
Sonntag im Bahnhof Martinszell? Ein Fest! Das Bord-Bistro öffnet seine Pforten und boom – es fühlt sich an, als würde der ganze Ort einchecken. Auf der Speisekarte? Selbstgebackener Kuchen, der nach „noch ein Stück, bitte!“ schreit, Fair-Trade-Kaffee, der wachküsst, Allgäuer Limo, die prickelt, und Bioweine, die Geschichten flüstern.
Ob drinnen kuscheln oder draußen auf Zug-Beobachtung – hier findet jeder seinen Platz. Man ratscht, man lacht, und zwischendurch? Zischt ein echter Zug vorbei – Hallo, Realität!
Im IG-OMa Express gibt’s kein Halten,
nur Genießen, ein Schwätzle halten und Leben pur.
Einsteigen, abfahren, glücklich sein.
„Back mer’s: das Bahnhofsbrot
Jeden zweiten Donnerstag (nur in den geraden Kalenderwochen, damit’s übersichtlich bleibt) kommt im Backhaus Oberdorf Feuer unterm Kessel. Da ist die Devise: Ein Mitglied der IG-OMa legt für alle den Hebel um. Wer sein Brot im Gemeinschaftsofen sehen will, meldet sich mit seinem Backprojekt an und bringt seinen Teigling bis spätestens 18 Uhr vorbei. Für 28 Brote ist Platz im Ofen – wer zuerst kommt, mahlt zuerst. Während die Brote sich bräunen, lässt sich die Wartezeit gemütlich im Bahnhof nebenan verkürzen.
Falls es diesmal mit einem der begehrten 28 Plätze nicht klappt: Kein Problem, die nächste Backsession wartet schon in zwei Wochen auf euch.
Geselliges Warten, bis das Brot fertig ist … / Bildquelle: MGZN Allgäu, IG OMa
Mittwochs im Fadenkreuz: Handwerkstatt im alten Bahnhof Martinszell
Mittwochs ist im Bahnhof Oberdorf großer Hand-Arbeits-Tag. Zwischen 16.00 und 18.00 Uhr wird gestrickt, gehäkelt, repariert und vor allem viel geredet und Tee getrunken. Die Handarbeitsgruppe trifft sich wöchentlich, um gemeinsam kreativ zu sein und die neuesten Dorfgeschichten auszutauschen.
Offene Bühne: Wo KunstBAHNausen aufblühen
Zweimal im Jahr verwandelt sich der alte Bahnhof in eine pulsierende Bühne. Ambitionierte KunstBAHNausen und Amateur-Unterhalter erster Klasse ergreifen die Chance, ihr Können unter Beweis zu stellen. Diese Offene Bühne ist ein Highlight im Veranstaltungskalender und bietet eine Plattform für eine bunte Mischung aus Musik, Poesie und Performance. Es ist der perfekte Ort, um verborgene Talente zu entdecken und die lokale Kunstszene lebendig zu halten.
Federleicht: Die Schreibwerkstatt am Gleis
Einmal im Monat wird der Bahnhof zum literarischen Salon. Die Schreibwerkstatt lockt Laienliteratinnen und Bahnhofsbarden an, um gemeinsam die Magie der Worte zu zelebrieren. Hier entstehen Geschichten, die zwischen Gleisen und Gleichgesinnten wachsen, unterstützt durch den kreativen Austausch und die gegenseitige Inspiration in der Runde.
Werkstatt, Räder, Teilen: Ein nachhaltiges Trio
Mit der wöchentlichen Leihwerkstatt und dem Fahrradservice zeigt sich, wie ein Dorf Hand in Hand geht. Jeder Donnerstag wird zur Bühne für praktisches Miteinander, wenn es darum geht, den Drahtesel wieder flott zu machen – kostenlos, versteht sich. Und dann ist da noch der „Dorfflitzer“, das Carsharing-Auto, das beweist: Teilen ist das neue Besitzen.
Ein Glanzstück an Gemeinschaftssinn, das zeigt, wie man mit Weitblick und einem Schraubenschlüssel das Leben ein bisschen grüner gestaltet.
Veranstaltungen in der alten Wartehalle am Bahnhof Martinszell. / Bildquelle: MGZN Allgäu
Der Bahnhofsgarten – das grüne Wohnzimmer am Bahnhof Martinszell
Grün & nachhaltig machen Zukunft
Wenn sich blühende Farben, Lachen und die Natur vermischen, wenn zwischendurch der Zug vorbeibraust, dann sitzt du im Grünen der IG Oma. Der Bahnhofsgarten, ein 600 Quadratmeter großes Stück pure Lebensfreude, entstand aus der Vision, dem Zusammenhalt der Gemeinschaft und einigen Sponsoren, die das verwilderte Grundstück erwerben konnten.
Rund um den majestätischen Kastanienbaum laden geschwungene Sitzsteine zum Verweilen ein, umrahmt von einem Kaleidoskop blühenden Lebens, das Bienen und Schmetterlinge anlockt. Dieser Ort sprudelt über vor Energie: barrierefreie Wege weisen den Weg durch das Grün, familienfreundliche Ecken verlocken zum Spielen und Entdecken.
Was als brachliegendes Gelände begann, hat sich in eine grüne Oase verwandelt – ein lebendiges Zeugnis dafür, was Begeisterung, Gemeinschaftssinn und einige grüne Daumen bewirken können.
Noch ein Highlight der IG-OMa
Donnerstag ist Markttag: Treffpunkt alter Bahnhof
Eigentlich sollte im Bahnhof ja ein Dorfladen sein Herz schlagen lassen. Doch wie es oft so spielt: Aus einer Idee wurde eine noch bessere! Schnell kristallisierte sich heraus, dass der alte Bahnhof der perfekte Ort für einen Wochenmarkt ist. Seit einem Jahr zieht es nun jeden Donnerstag eine bunte Truppe regionaler Händler auf den Bahnhofsplatz.
Von frischem Gemüse über handgemachte Spezialitäten bis hin zu Kunsthandwerk – das Angebot ist vielfältig, einzigartig und ein echter Magnet für die Leute aus der Umgebung. Und natürlich – wäre ja sonst nicht der Bahnhof Martinszell – hat währenddessen auch das Bistro seine Türen weit geöffnet. Hier verbinden sich Einkaufen, Genießen und Begegnen auf schönste Weise.
Markttag am Bahnhof. / Bildquelle: IG-OMa
Ehrenamt: Das Rückgrat der Gemeinschaft
Doch was treibt eine Gemeinschaft dazu, so viel Herzblut und Zeit in ein solches Projekt zu investieren? Die Antwort liegt im Wesen des Ehrenamts selbst.
Ehrenamtliches Engagement ist der Klebstoff, der Gesellschaften zusammenhält, der Motor, der Innovation und Zusammenhalt vorantreibt.
Die Freude, die aus der gemeinsamen Arbeit entsteht, das Gefühl, etwas Bedeutendes zu schaffen, und die tiefe Zufriedenheit, die daraus erwächst, sind unbezahlbar. Engagierte Bürger finden in ihrer Aufgabe nicht nur eine sinnstiftende Beschäftigung, sondern auch eine Quelle der Bestätigung. Wer Gutes schafft, schläft besser, ist resilienter und glücklicher. Menschen, die gemeinsam was anpacken, bauen nicht nur Bahnhöfe um – sie bauen Brücken zwischen Menschen und fördern ein Miteinander, das in der heutigen Zeit wertvoller ist denn je.
Applaus für die Macher der IG-OMa
Martinszell-Oberdorf zeigt, wie’s geht
An alle, die hinter der IG-OMa stehen: Ihr seid die wahren Helden dieser Geschichte. Durch eure Hingabe habt ihr bewiesen, dass auch kleine Orte Großes bewirken können. Ihr habt nicht nur einen Treffpunkt geschaffen, sondern ein lebendiges Beispiel dafür, dass Gemeinschaft und Engagement die Welt tatsächlich ein Stück besser machen.
Martinszell-Oberdorf, ein kleines Dorf im Allgäu, lehrt uns eine große Lektion:
Wo eine Gemeinschaft zusammensteht, dort entsteht Zukunft.
Weiterführende Informationen
Und noch einige Initiativen: die Obere Mühle Wertach , d´r Kroamer, Bahnlinie Isny-Leutkirch, Iberg Lift, Moorschutz Westallgäu, Foodsharing, …
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