Storytelling aus dem Allgäu

Heimisches Superfood: Bärlauch & die wundersamen Bärlauchsamen

von | Bio-logisch

Bärlauch ist trendy. Was wird alles mit diesem Kraut gekocht und gebacken. Jeder Küchenchef  ruft Bärlauchwochen aus. Dass Bärlauch und Bärlauchsamen schon immer zu unseren traditionellen Heilkräutern, Wild- und Würzpflanzen gehört, geht vor lauter „hip sein“ fast unter. Bärlauch ist neben dem Giersch, der roten Beete und der Walnuß ein echtes heimisches Superfood.

Bärlauch – Der Gesundheitskick aus der Natur

Wenn der Bärlauch im Allgäu seine grünen Blätter durch die Laubdecke streckt, ist es nicht nur ein Zeichen für den Frühlingsanfang, sondern auch für eine Saison voller Gesundheit. Aber was macht die aromatischen grünen Blätter eigentlich zu einem so mächtigen Verbündeten unserer Gesundheit? Tauchen wir ein in die Welt der Wirkstoffe, die diesen Wildling zum Superfood-König küren.

1. Allicin – Der Vampir unter den Wirkstoffen

Bärlauch enthält Allicin, jene geheimnisvolle Substanz, die auch im Knoblauch gefunden wird und für seinen charakteristischen Geruch verantwortlich ist. Allicin ist ein wahrer Vampirjäger in deinem Körper – es wirkt antibakteriell, antiviral und fungizid. Es hilft nicht nur gegen unerwünschte Mikroorganismen, sondern senkt auch effektiv den Blutdruck und ist somit ein Herz-Kreislauf-Freund erster Klasse.

2. Schwefelverbindungen – Die inneren Reiniger

Ähnlich wie Knoblauch enthält Bärlauch Schwefelverbindungen, die entgiftend wirken und dabei helfen, Schwermetalle aus dem Körper zu entfernen. Diese natürlichen Detox-Agenten unterstützen die Leber bei ihrer täglichen Reinigungsarbeit und tragen dazu bei, dass du dich von innen heraus frisch und vital fühlst.

3. Vitamine und Mineralien – Die Allgäuer Superhelden

Bärlauch ist reich an Vitamin C, einem starken Antioxidans, das das Immunsystem stärkt und vor Erkältungen schützt. Darüber hinaus liefert er eine gute Portion Vitamin A, das für gesunde Augen und eine strahlende Haut wichtig ist.

Mineralstoffe wie Eisen, Magnesium und Mangan sind ebenfalls in Bärlauch enthalten und fördern die Blutbildung sowie die Muskelfunktion. Das im Bärlauch enthaltene Kalium reguliert den Flüssigkeitshaushalt und unterstützt die Herzgesundheit.

4. Flavonoide – Die Wächter deiner Zellen

Die in Bärlauch enthaltenen Flavonoide sind pflanzliche Sekundärstoffe, die eine antioxidative Wirkung haben. Sie schützen die Zellen vor freien Radikalen, bekämpfen Entzündungen und stärken das Immunsystem. Flavonoide können auch helfen, das Risiko für chronische Krankheiten wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs zu verringern.

5. Adenosin – Der natürliche Beruhiger

Bärlauch enthält Adenosin, das eine gefäßerweiternde und blutdrucksenkende Wirkung hat. Es trägt dazu bei, Stress abzubauen und fördert einen gesunden Schlaf. Somit ist Bärlauch nicht nur ein Helfer für den Tag, sondern auch ein sanfter Begleiter in die Nacht.

„Iss Lauch im Frühjahr und Bärlauch im Mai, dann haben Quacksalber im nächsten Jahr frei“

Wo die Volksweisheit recht hat, hat sie recht! Zusammengefasst gilt: Bärlauch & Bärlauchsamen wirken harntreibend, reinigend, blutdrucksenkend und leicht antiseptisch.

Bärlauch ist ein einheimisches Superfood

Frisches Superfood im Glas, frisch aus dem Wald. / Bildquelle: Canva

Vielfältige KräuterKüche

Bärlauchsalz & Bärlauchpesto: Frühlingswürze mit Charakter

Das einfachste Gericht mit diesem grünen Superfood: Ein Butterbrot mit gehacktem Bärlauch. Ein Genuss.

Die einfachste Variante, um den intensiven Frühlingsduft zu konservieren: Salz & Pesto. Saisonale Frische und Lebendigkeit für viele Mahlzeiten. Das Bärlauchsalz überrascht mit seiner intensiven Knoblauchnote, ohne dabei aufdringlich zu sein. Es ist perfekt, um Gerichten einen letzten Schliff zu geben, sei es ein einfaches Rührei oder eine raffinierte Suppe.

Bärlauchpesto wiederum ist eine grüne Ode an den Geschmack. Es vereint die pikante Würze des Bärlauchs mit der cremigen Textur des Parmesans und der nussigen Note der Walnüsse. Ein Löffel dieses Pestos verwandelt jede Pasta in ein kulinarisches Highlight.

Beide Rezepte sind ein Tribut an die Vielseitigkeit und den unverwechselbaren Charakter des Bärlauchs – ein wahres Superfood, das in der Küche nicht fehlen sollte.

Bärlauchsalz – die kleine Geheimwaffe aus der Küche

Zutaten:
100 g frische Bärlauchblätter
200 g grobes Meersalz

Anleitung:
– Wasche die Blätter gründlich und tupfe sie mit einem Küchentuch trocken.
Zerkleinere die Blätter in einem Mixer oder mit einem Messer so fein wie möglich.
– Vermische den zerkleinerten Bärlauch gleichmäßig mit dem Meersalz in einer Schüssel.
– Breite die Mischung auf einem Backblech aus und lass sie bei Raumtemperatur für etwa 24-48 Stunden trocknen. Alternativ kannst du die Mischung auch im Backofen bei niedrigster Temperatur und geöffneter Tür für einige Stunden trocknen lassen, um den Prozess zu beschleunigen.
– Sobald das Bärlauchsalz vollständig getrocknet ist, zerbrich etwaige Klumpen und fülle es in ein luftdicht verschließbares Glas.

Bärlauchpesto – Für das Allgäu neu interpretiert

Zutaten:
100 g frische Bärlauchblätter
50 g Pinienkerne oder Walnüsse
50 g Parmesan, frisch gerieben
Ca. 100 ml Olivenöl, extra vergine
Salz und frisch gemahlener schwarzer Pfeffer nach Geschmack

Anleitung:
Wasche den Bärlauch und schüttle die Blätter trocken.
Röste die Pinienkerne oder Walnüsse in einer Pfanne ohne Öl, bis sie goldbraun sind. Achte darauf, dass sie nicht verbrennen.
Gib Bärlauch, geröstete Nüsse, Parmesan und etwas Olivenöl in einen Mixer oder Food Processor. Püriere die Zutaten, während du nach und nach das restliche Olivenöl hinzugießt, bis eine gleichmäßige Paste entsteht.
Schmecke das Pesto mit Salz und Pfeffer ab und fülle es in ein sauberes Glas.

Bärlauchsalz - den Frühling konservieren

Grobes Salz mit viel Geschmack. / Bildquelle: Canva

Bärlauchsamen / Bärlauchknospen konservieren

Bärlauch Wissen von Rolf Renn

Der Bärlauch drängt auf eine schnelle Verwendung: Sofort essen, einfrieren oder zu Pesto pürieren. Wer jedoch etwas abwartet, bis der Bärlauch Blüten bekommt, erhält eine leicht zu konservierende Delikatesse.  Die Kapern oder den Kaviar des Allgäus.

Laß Dir Zeit und warte ab. Bis Anfang Mai sich das Blühen des Bärlauchs dem Ende zuneigt.

Jetzt bilden sich an den Blütenansätzen Samenkapseln. Solange diese grün und saftig sind, sind
diese Perlen leicht und langlebig konservierbar. Du hast drei Möglichkeiten:

  • Als Kapern legst Du sie – gewürzt mit Salz und Pfeffer – in Olivenöl ein.
  • Als Kaviar verwendest Du nur Salz
  • Neutral kannst Du die Bärlauchknospen auch einfrieren. Sie verlieren dann zwar etwas an knackiger Konsistenz, aber aufgetaut überdauern die Perlen im Kühlschrank dann locker 4 Wochen.

Es ist unglaublich, wie ergiebig und vielseitig Perlen des Bärlauchs sind.

Bärlauchsamen sind ein reines Geschmackserlebnis!
„Es ist die Essenz des Bärlauchs!“
                                                                          Rolf Renn

Allium ursinum

Der sanfte Knoblauchduft vom Waldrand

Zeitgleich zum Giersch sprießt das Allium ursinum, der Bärlauch! In den Auwäldern entlang der  Flüsse und Bäche, am Rand der zahlreichen Moore, Riede sowie überall, wo es schön saftig ist, kommt Bärlauch in Massen vor. Wie ein Teppich breitet sich das Superfood aus.

Aber wusstest Du, dass nördlich des Weißwurstäquators Bärlauch eine bedrohte Wildpflanze ist? In Brandenburg und Hamburg ist Bärlauch vom Aussterben bedroht …

Bärlauchpflanzen

Wilde Blätter im eigenen Garten

Bärlauchpflanzen sind die unkomplizierten Wildkräuter, die wunderbar im eigenen Garten wachsen. Sie lieben Schatten und feuchten Boden. Gerne kämpfen sie sich auch zwischen kleinen Ästen oder etwas Herbstlaub hindurch. Einmal angesiedelt, breiten sie sich aus wie ein wohlriechender Teppich.

Bärlauchpflanzen im Topf

Kein Garten? Kein Problem! Bärlauch gedeiht auch im Topf auf dem Balkon. Ein Tipp am Rande: Beim Kauf von Bärlauchpflanzen oder -samen stets auf Qualität achten. Auch wichtig: Bärlauchgewohnheiten. Klingt lustig, es ist aber so, dass sich auch Bärlauch (wie sehr viele Pflanzen) an Höhe gewöhnt. Ein Flachland-Bärlauch hat im Allgäu einfach gerne Startschwierigkeiten. Deshalb den knofigen Wunderwuzzi auf regionalen Märkten im Allgäu kaufen. Oder einfach zwei zarte Pflänzchen vorsichtig ausbuddeln und umpflanzen.

Bärlauchblätter kaufen

Von der Einkaufstasche in die Küche

Bärlauch frisch vom Markt oder aus dem Supermarkt? Ja, warum nicht? Einfach auf knackig-grüne Blätter ohne Welkspuren achten. Je frischer, desto feiner das Aroma. Je mehr Plastik drum herum, desto länger die Haltbarkeit. Ob das Aroma unter Plastik leidet? Darüber gibt es keine Studien.

Selbst gepflückt schmeckt am besten. Warum? Weil das Erlebnis „Essen aus der Wildnis pflücken“ kleine Glücksmomente liefert, die auch den Genuss fördern.

Verwechslungsgefahr: Bärlauch oder Maiglöckchen?

Beide Pflanzen können auf den ersten Blick ähnlich aussehen, vor allem, bevor die charakteristischen Blüten erscheinen. Doch Vorsicht: während Bärlauch ein wunderbares Superfood ist, sind Maiglöckchen hochgiftig.

Wie unterscheidet man Bärlauch von Maiglöckchen?

Geruch: Der sicherste Weg, Bärlauch zu identifizieren, ist der Geruch. Bärlauchblätter verströmen beim Zerreiben zwischen den Fingern einen starken knoblauchartigen Duft. Maiglöckchen hingegen riechen – nun, wie Maiglöckchen: süßlich und blumig, ohne jegliche Knoblauchnote.

Blattform: Bärlauchblätter sind breit und lanzettlich, mit einem glatten Rand und einer matt-grünen Oberfläche, die in der Sonne leicht glänzt. Maiglöckchenblätter sind eher oval, kommen meistens in Paaren direkt aus dem Boden und haben eine feste, eher glänzende Textur.

Wuchsform: Bärlauch wächst oft flächendeckend und bildet einen grünen Teppich im Wald. Maiglöckchen hingegen wachsen in kleineren Gruppen und sind nicht so flächendeckend verteilt.

Blütezeit: Wenn du bis zur Blütezeit wartest, ist die Unterscheidung einfacher. Bärlauchblüten sind kleine, weiße Sternchen, die in kugelförmigen Dolden stehen, während Maiglöckchen Glockenformen aufweisen und an einem längeren Stiel hängen.

Was tun bei Verwechslung?

Wenn du unsicher bist, ob du Bärlauch oder Maiglöckchen vor dir hast, nimm lieber Abstand vom Pflücken.

Die Verwechslung kann zu schweren Vergiftungen führen, da alle Teile des Maiglöckchens giftige Substanzen enthalten, die das Herz-Kreislauf-System beeinträchtigen können.

Es hängt natürlich von der Dosis ab, aber es empfiehlt sich, nach der Einnahme von Maiglöckchen medizinische Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Bärlauch oder Maiglöckchen - der Unterschied

Auf den Unterschied kommt es an … / Bildquelle: Canva

Fazit: Warum Bärlauch ein Superfood ist

Mit seiner beeindruckenden Liste an gesundheitsfördernden Substanzen ist Bärlauch ein wahrhaftes Superfood, das in keiner Frühlingsküche fehlen sollte.

  • Von der Stärkung des Immunsystems über
  • die Entgiftung des Körpers bis
  • hin zur Förderung von Herz und Gefäßen –

Bärlauch ist ein Allrounder, der unserer Gesundheit auf vielfältige Weise zugutekommt. Neben Giersch, Roter Beete, Walnuss und Esskastanien sind diese knofelig duftenden Blätter ein echtes Soulfood. Es stärkt die Widerstandskraft.

Und das Beste? Im Allgäu findet man ihn einfach so, wild und frei, bereit, uns all seine Kraft zu schenken.

Also, auf zum Bärlauchpflücken – unser Körper dankt es uns!

Übrigens: Bärlauch ist von je her in der Allgäuer Gründonnerstagssuppe eine feste Zutat. Auch Allgäuer Käsknödel werden im Frühjahr gerne mit etwas Bärlauch gewürzt.

Weiterführende Informationen

Buch: Lieblingsgeschenke aus der Küche

Dieser Text wurde unabhängig recherchiert.
Es bestand kein Auftrag. Es wurde nichts bezahlt.
Eventuell sind Affiliate-Links im Text enthalten.
Der gesamte Beitrag ist Eigentum des Autors!

Fundiert

JournalistInnen & TexterInnen recherchieren und berichten.

Lesenswert

Weil wir Dich mit allen Sinnen in die Geschichten mit rein nehmen.

Einfach

Das Neueste senden wir Dir bequem in Dein eMail Postfach.

Anders

Wunderbare Geschichten, die berühren und informieren.